Gasnotlage diskutiert - regionale Biogasanlagen liefern längst die Lösung
12. Februar 2026
In Hessisch Oldendorf betreiben mehrere Anlagen seit vielen Jahren zuverlässig die Erzeugung von Biogas - dezentral, versorgungssicher und eingebettet in eine funktionierende landwirtschaftliche Struktur. Dennoch fehlt diesen Anlagen eine langfristige Perspektive. Viele stehen vor dem Auslaufen der Förderung, ohne dass tragfähige Anschluss- oder Fortführungskonzepte vorgesehen sind.Dabei zeigen aktuelle Berechnungen deutlich, welches Potenzial bereits heute vorhanden ist.
Allein die bestehenden Biogasanlagen in Hessisch Oldendorf und den Ortsteilen erzeugen - unter konservativen Annahmen - zusammen rund 3.000 Kubikmeter Biogas pro Stunde. Bei einem Methangehalt von 55 Prozent entspricht dies etwa 1.650 Kubikmetern Methan pro Stunde.
Hochgerechnet auf den für Haushalte entscheidenden Zeitraum von Oktober bis März ergibt sich daraus eine Energiemenge von rund 72 Gigawattstunden Gas. Damit könnten in der Heizperiode rechnerisch etwa 6.300 Haushalte vollständig mit Gas versorgt werden.
Zum Vergleich: In Hessisch Oldendorf leben rund 18.000 Einwohner, was etwa 5.000 gasbeheizten Haushalten entspricht.
Das bedeutet: Die vorhandenen Biogasanlagen könnten den überwiegenden Teil - rechnerisch sogar mehr als den gesamten Gasbedarf der Haushalte im Winterhalbjahr - lokal decken.
"Wir sprechen hier nicht über Zukunftsmusik oder theoretische Konzepte", sagt Dipl.-Ing. Oliver Nacke von ARCHEA New Energy, einem Unternehmen, das seit über 25 Jahren Biogasanlagen weltweit und in der Region plant, baut und betreibt. "Die Infrastruktur ist vorhanden, die Anlagen laufen stabil - doch es fehlt an politischer und regulatorischer Perspektive."
Biogasanlagen sind mehr als Mais
Ein weiterer, häufig unterschätzter Aspekt: Moderne Biogasanlagen sind technisch längst in der Lage, eine Vielzahl alternativer Substrate zu verarbeiten, insbesondere solche, die ohnehin anfallen oder ökologisch sinnvoll sind.Im Weserbergland sind bereits heute große Flächen mit durchwachsener Silphie etabliert - einer mehrjährigen Energiepflanze, die mit ihrem hohen Blühanteil als Insekten-Hotspot wirkt und gleichzeitig zuverlässig Biomasse liefert. Auch Wildblumenmischungen, speziell für die energetische Nutzung, können einen wichtigen Beitrag zur Biodiversität leisten.
Darüber hinaus eignen sich Pferdemist, Rindermist, Straßenbegleitgrün sowie Bioabfälle aus Haushalten und Gewerbe als Substrate für bestehende Biogasanlagen. Diese Stoffe müssen ohnehin verwertet werden - ihre energetische Nutzung würde Kreisläufe schließen, Emissionen vermeiden und regionale Wertschöpfung stärken.
"All diese Stoffe könnten heute schon in den vorhandenen Anlagen eingesetzt werden", so Oliver Nacke. "Vorausgesetzt, es ist politisch und gesellschaftlich gewollt."
Bestehende Infrastruktur statt neuer fossiler Abhängigkeiten
Vor diesem Hintergrund wirkt es widersprüchlich, dass einerseits der Bau neuer fossiler Gaskraftwerke geplant wird, deren Kosten über Umlagen von den Bürgerinnen und Bürgern mitgetragen werden sollen, während gleichzeitig bestehende, dezentrale Biogasanlagen ohne Perspektive bleiben. Gerade in Zeiten geopolitischer Unsicherheiten und angespannter Energiemärkte wäre es naheliegend, auf das zu setzen, was bereits funktioniert - und was bereits gebaut ist.Biogasanlagen müssen nicht neu errichtet werden. Sie stehen vor Ort, sind genehmigt, in Betrieb und in die regionale Landwirtschaft integriert. Sie liefern Strom, Wärme und Gas - flexibel, speicherbar und systemdienlich.
ARCHEA New Energy fordert daher, die Diskussion über Versorgungssicherheit neu zu führen: regional, realistisch und technologieoffen. Die Biogasanlagen in Hessisch Oldendorf leisten schon heute einen entscheidenden Beitrag zur Wärmeversorgung, Netzstabilität, Kreislaufwirtschaft und regionalen Resilienz.
Der Weg zur regionalen Versorgungssicherheit ist bereits beschritten. Die Biogasanlagen sind vorhanden, sie sind in Betrieb und leisten ihren Beitrag tagtäglich. Nun gilt es, diese bestehenden Strukturen konsequent weiterzudenken und ihr Potenzial anzuerkennen. Denn sie sind ein zentraler Baustein für die regionale Energieversorgung und damit für die Sicherheit vor Ort.
ARCHEA New Energy GmbH
Hoher Kamp 7
31840 Hessisch Oldendorf
www.archea-biogas.de
Dipl. Ing. Oliver Nacke